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Reisebericht über Lissabon – Die Stadt auf sieben Hügeln

Gepostet am 4. Jul 2013 in Aktuelles, Europa

Portugiesen, die früh mit einem Coffee2go, beziehungsweise Galao2go, durch die Straßen hetzen? In Portugal hat zum Glück noch nicht die „Schnell mal unterwegs Essen und Trinken“-Kultur eingesetzt, auch wenn es der ein oder andere Reiseführer schreibt. In der Hauptstadt Lissabon geht es gemütlich zur Sache. Herausfordernd ist da schon eher das Auf und Ab, wenn man zu Fuß unterwegs ist.

Der Atlantik wartet schon

Cristo Rei

Cristo Rei

Lissabons Flughafen liegt recht nahe an der Stadt. So können wir uns direkt nach der Landung in die U-Bahn setzen und sind 20 Minuten später im Zentrum. Das erste Ziel heißt Praca do Comercio. Denn dort empfängt uns das Tejo-Ufer. Weiter hinten ist auch schon der Atlantik zu sehen. Herrlich, endlich Urlaub! Und jetzt merken wir erstmal, wie heiß die Sonne brennt. In der nächsten Minute werden wir von einem jungen Portugiesen angesprochen, ob wir nicht eine Sonnenbrille kaufen wollen. Es ist eine schwarze Ray Ban für 10 Euro. Wir lehnen ab.

Bevor wir die Innenstadt in den nächsten Tagen genauer erkunden, nehmen wir die Fähre zum gegenüberliegenden Ufer. Die kleine Anlegestelle Cacilhas ist schnell erreicht, von hier aus geht es mit dem Bus weiter. Unser Ziel ist das Monumento Cristo Rei, welches wir schon vom Praca do Comercio aus leuchtend hell und majestätisch gesehen haben. Wenn man dann direkt vor dem Monument steht, fühlt man sich wie eine Ameise. Den Blick von Christo Rei auf die Stadt wollen wir auch geniessen. Den 82 Meter hohen Betonsockel durchzieht ein von Außen nicht sichtbarer Fahrstuhl. Damit geht’s bis auf die Aussichtsplattform unterhalb der Statue. Der Aus- und Rundumblick ist genial. Auf der rechten Seite liegt uns ganz Lissabon zu Füßen. Den Blick noch weiter nach rechts gerichtet, sieht man bei klarer Sicht eine der längsten Brücken der Welt – den Ponte Vasco da Gama. Auf der linken Seite direkt vor uns führt die „Ponte 25 de Abril“-Brücke über den Tejo. Ein bisschen erinnert diese an eine weltbekannte Brücke in San Francisco.

Dass die Statue wiederum Ähnlichkeiten mit der in Rio de Janeiro hat, stört uns auch nicht. Denn wie eine (billige) Kopie wirkt sie keinesfalls. Jetzt aber erstmal ins Hotel. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.

Altstadt Alfama und die Burg

Der perfekte Morgen in Portugal beginnt auch für uns mit einem Galao und einem Pastel de Nata (Blätterteigtörtchen mit Pudding). Unser Fazit: einfach nur lecker. Frisch gestärkt wollen wir nun das historische Lissabon erobern.

Über dem Altstadtviertel Alfama erhebt sich das Castelo de São Jorge. Hier sollte man unbedingt einmal gewesen sein. Der Aufstieg ist nicht ohne. Gut, dass wir immer ausreichend Wasser dabei haben. Wir kommen auf den Weg dorthin an etlichen Kirchen und Kathedralen vorbei, wie beispielsweise Sé Patriarcal. Sie ist Lissabons älteste Kirche. Auch einen Besuch wert ist das Kloster Sao Vicente de Fora. Vom Kirchendach aus hat man hier einen grandiosen Blick über die Alfama. Und im Cruise-Terminal ist (nur für uns) an diesem Tag die „Queen Victoria“ eingelaufen.

In der Burg angekommen, haben wir einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt. Der eigentliche Hafen ist auch zu sehen – etwas versteckt in östlicher Richtung. Jetzt geht es wieder zurück durch die verwinkelten und unübersichtlichen Gassen. Trotzdem macht der Spaziergang Spaß. Für eine Pause kann man eines der vielen kleinen Cafés nutzen. Wir haben durch Zufall das Café ZamBeZe mit einer großen Terrasse gefunden. Zwar ist die Bedienung etwas träge, dafür die Aussicht umso besser.

Panoramablick über Lissabon

Panoramablick über Lissabon

Wer noch weitere Aussichtspunkte anlaufen möchte, kann die Orte Miradouro da Graca (Igreja e C. da Graca) und Miradouro Senhora do Monte im Stadtteil Graca oder den Elevador do Carmo im Stadtteil Baixa aufsuchen. Doch für heute ist genug gesehen. Den Abend lassen wir in einem gemütlichen Fisch-Restaurant bei Vinho Verde und Superbock-Bier ausklingen. Anschließend geht es noch in einen typisch portugiesischen Weinkeller – perfekt für den Beginn einer entspannten Urlaubswoche.

Weitere Höhepunkte im Schnelldurchlauf

Die nächsten Sehenswürdigkeiten sind nur kurz angerissen. Ob und wie intensiv man sie erkunden möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Tram 28

Diese Straßenbahn fährt immer noch. Dabei ist sie schon über 100 Jahr alt. Sie ist das ideale Fortbewegungsmittel, wenn man sich einen schönen Überblick verschaffen möchte. Die Fahrstrecke (Largo Martim Moniz – Cemitério dos Prazeres) geht durch die engen Gassen der Ober- und Unterstadt sowie der Amalfa, bergauf und bergab. Teilweise muss der „Dinosaurier unter den öffentlichen Verkehrsmitteln“ Steigungen bis zu 13 Grad meistern.

Viele Lissaboner Sehenswürdigkeiten liegen an der Strecke. Die Tram E28 ist also eine perfekte „Hop-on-Hop-Off“-Möglichkeit mit nostalgischem Charakter. Unser Hinweis für Interessierte: Einfach ein 24-Stunden-Ticket für 6 Euro in der Metro lösen und los geht´s! Die grüne „viva viagem“-Karte kann übrigens mehrmals aufgeladen werden. Und immer beachten: In Portugal wird in Bussen und den alten Bahnen vorne ein- und und hinten ausgestiegen.

Belém

Torre de Belem in Belém

Torre de Belem in Belém

Am westlichen Stadtrand befindet sich Belém. Am besten fährt man mit der Tram-Linie E15. Eine Strecke kostet 1,40 Euro pro Person, wenn man die Karte in der Metro-Station kauft. In der Tram sind es direkt 2,85 Euro. Das 24-Stunden-Ticket gilt natürlich ebenfalls auf dieser Strecke.

Doch zurück zu Belém! Von hier lassen sich viele Baudenkmäler und Museen zu Fuß erkunden. Dazu gehören beispielsweise der Turm von Belém (Torre de Belém), das Hieronymuskloster (Mosteiro dos Jerónimos), das „Padrão dos Descobrimentos“-Denkmal, eine historische Häuserreihe (Rua Vieira Portuense) und das Nationalmuseum (Museu Nacional dos Coches). Natürlich lädt auch das Tejo-Ufer zu einem Spaziergang ein.

Baixa – Das eigentliche Zentrum

Zwischen den Stadtteilen Bairro Alto, Chiado und dem Castelo de Sao Jorge liegt die Unterstadt Baixa. Ihr einmaliger Charakter basiert auf einer streng geometrischen Straßenstruktur. Nach dem verheerendem Erdbeben von 1755 wurden die Häuserzeilen rechtwinklig neu angelegt und stehen im krassen Unterschied zu den verwinkelten Gassen des Altstadtviertels Amalafa. Ein Besuch der Baixa, dem heutigen Geschäfts- und Bankenviertel, lohnt sich für einen kurzen Shopping-Stopp. Leider nagt an so manchem imposanten Palast der Zahn der Zeit. Das fällt jedoch in ganz Lissabon auf.

Kneipenviertel Bairro Alto

Dieses Stadtviertel liegt oberhalb der Baixa. Um genau zu sein – gegenüber dem Kastell. Hier gibt es unzählige Cafés, Restaurants, Kneipen und Bars. Ein Großteil der jungen Bevölkerung lebt hier und macht die Nacht zum Tag.

Tagsüber lohnt sich ein Besuch des Miradouro Sao Pedro de Alcantara. Vom zweistöckig angelegten Park hat man einen tollen Blick auf das Castello und die Innenstadt. Außerdem kann man sich hier ein paar Minuten Ruhe im Grünen gönnen. Um anschließend in die Unterstadt zu gelangen, kann man den Elevator da Glória (Drahtseilbahn von 1885) nutzen.

Basílica da Estrela und Jardim da Estrela

Die Sternbasilika liegt im Nordwesten der Stadt und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Man kann sich die Kathedrale nicht nur von innen anschauen. Über eine Treppe gelangt man auf das Dach. Wer schwindelfrei ist, kann von einem Balkon aus in die Kuppel schauen.

Ein idealer Ausgleich zur Höhenluft ist der Jardim da Estrela. Überquert man die Straße vor der Kathedrale, so steht man direkt in der Parkanlage. Diese ist für viele Lissabonner ein beliebter Ort, um die Seele baumeln zu lassen.

Die Kuppel in der Basilica da Estrela

Die Kuppel in der Basilica da Estrela

Cemiterio dos Prazeres

Der städtische Friedhof liegt an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie E28 und ist ein schaurig schönes Highlight. Aus einer früheren Zeit stammt noch der Beiname „Friedhof der Vergnügen“.

Das Areal beläuft sich auf 110.000 Quadratmeter. Die einzelnen Grabmäler sind wie Häuser in einer Straße angeordnet. Auch hier alles strikt geometrisch. Durch Fenster und Glastüren kann man die einzelnen Särge in den Grabmälern sehen. In Regalen sind sie übereinander aufgestellt.

Auch rund um Lissabon gibt es zahlreiche Ausflugsziele. Doch Sintra und Mafra müssen bis zu unserem nächsten Besuch warten. Damit der Abschied nicht zu schwer fällt, werden zum Schluss noch schnell ein paar portugiesische Leckereien gekauft: Bolo de Arroz, Pastel de Nata und Apfeltörtchen.

Fotos: J. Sebök