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Ghana: Eins der ärmsten Länder der Welt – und eins der Schönsten

Gepostet am 16. Apr 2013 in Afrika, Aktuelles

Afrika – die Wiege der Menschheit, politische Unruhen, traumhafte Landschaften und Hungersnöte: Wohl kaum ein anderer Kontinent vereint derart verschiedene Themen, Problempunkte, Klischees und Widersprüche. Die einen sehen Afrika als größte Problemzone – sowohl gesellschaftlich als auch politisch – der Welt; die anderen denken an Naturparks, Wildtierreservate und Badestrände. Eines der meist diskutiertesten Länder Afrikas ist das westafrikanische Ghana.

Ein bisschen Historie

Ghana: Eins der ärmsten Länder der Welt – und eins der Schönsten (Foto: Ruslan Olinchuk, Fotolia.com)

Ghana: Eins der ärmsten Länder der Welt – und eins der Schönsten (Foto: Ruslan Olinchuk, Fotolia.com)

Der frühere Name Ghanas lautet Goldküste – ein Name, der deutlich auf die Vergangenheit Ghanas als Kolonialstaat hinweist. 1874 wurde Ghana zur Kolonie des Vereinten Königreiches. Doch die Briten wurden in ihrer Herrschaftszeit immer wieder mit Widerstand gegen den Kolonialismus konfrontiert – schließlich bildete sich 1947 die United Gold Coast Convention Party, eine Partei, die nach der Unabhängigkeit de späteren Ghanas strebte. Das Parteioberhaupt und der zukünftige Präsident Kwame Nkrumah gründete nach gewalttätigen Unruhen die Convention People’s Party, die noch radikaler zur Sache ging. 1957 schließlich hatte die Partei ihr Ziel erreicht: Die unabhängige Republik Ghana war geboren. Regierungssitz und Hauptstadt ist seitdem Accra, die größte Stadt des Landes.

Doch damit waren die Probleme Ghanas noch lange nicht gelöst – es folgte eine Zeit der Militärputsche, Korruption und politischer Unruhen. Erst Jerry Rawlings, der zwischenzeitlich auch als Diktator geherrscht hatte, gab Ghana 1922 eine demokratische Verfassung und erkannte die Menschenrechte der UNO. Auch das Einparteiensystem wurde aufgegeben – zur Zeit sind zehn Parteien in Ghana registriert. Trotzdem sind auf lokaler Ebene immer noch die traditionellen Stammeshäuptlinge die Machtinhaber.

Gold und Landwirtschaft

Ghana zählt zu den ärmsten Ländern wer Welt: Knapp die Hälfte der Bevölkerung verdient weniger als einen US-Doller am Tag. Die Staatsverschuldung ist enorm: 2004 hat sich Ghana dem Entschuldungsprogramm der Weltbank und des Internationalen Währungsfond angeschlossen. Was die Wirtschaft betrifft, so ist Ghana immer noch ein Agrarland – obwohl Ansätze zur Industrialisierung gemacht worden sind. Dennoch macht die Industrie nur ungefähr ein Viertel des Wirtschaftsvolumens aus. 56% der Bevölkerung sind immer noch in der Landwirtschaft beschäftigt, zumeist allerdings als Selbstversorger.

Dabei ist der Goldexport eines der wichtigsten Standbeine des Landes – der Goldexport macht über 30% des gesamten Exportes Ghanas aus. Andere traditionelle Exportgüter sind Kakao, Zuckerrohr, Tee, Kautschuk und Kaffee, doch mittlerweile werden unter anderem auch Ananas, Tabak, Baumwolle und Bananen angebaut. Übrigens ist Ghana Deutschlands größter Lieferant, wenn es um Holzprodukte geht.

Doch auch der Tourismus soll in Zukunft für die Wirtschaft Ghanas an Bedeutung gewinnen. So wurde 1996 der „Integrated National Tourism Development Plan“ in die Gänge gebracht, der mit einer auf fünfzehn Jahre angelegten Strategie dazu führen soll, Touristen nach Ghana zu locken. Das Ziel sind eine Million Touristen im Jahr 2020, die Landschaft, Kultur und Tradition Ghanas kennenlernen wollten. Und was das betrifft, hat Ghana einiges zu bieten: Neben Wildtierreservaten und Naturparks locken traditionelle Feste. Auch wer sich für Geschichte interessiert, wird hier auf seine Kosten kommen: An der Küste Ghanas können die alten Forts der Europäer aus der Kolonialzeit besichtigt werden. Wassersportler und Vogelkundler ziehen dagegen das Volta-Delta vor. Wer Badespaß und Entspannung am Strand sucht, sollte in die Region um Accra fahren, wo in verschiedenen Hotelanlagen Besucher aus aller Welt erwartet werden.