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Warum keine WM in Ägypten?

Gepostet am 25. Feb 2010 in Afrika, Aktuelles

Im Jahre 2010 erlebt die WM-Geschichte ein Novum: Das Veranstaltungsland des WM-Turniers ist Südafrika. Damit findet es erstmalig in Afrika statt. Ebenfalls wurden die Olympischen Spiele noch nie in einer afrikanischen Stadt ausgetragen. Das hängt mit Afrikas Vergangenheit in der Kolonialzeit zusammen. Eine Vielzahl von afrikanischen Staaten wurde erst sehr spät unabhängig. Andere wiederum sind stolz darauf, die Unabhängigkeit bereits früher erlangt zu haben. Ägypten erreichte dies beispielsweise schon 1922.

Auch im Jahre 2018 findet keine WM in Ägypten statt

Als 2006 die Abstimmung zwischen Deutschland oder Südafrika als Ausrichter der WM 2006 stattfand, musste sich Südafrika knapp geschlagen geben. Sieger wurde Deutschland mit 12:11 Stimmen und das nur, weil eine Stimmenthaltung Neuseelands erfolgte. Damit waren aber die Weichen für eine afrikanische Beteiligung bei der nächsten Bewerbung für die WM 2010 gestellt. Es stellten sich gleich drei große Staaten der Wahl: Südafrika, Marokko und Ägypten.

Die Länder Tunesien und Libyen hatten sich gemeinsam beworben. Die FIFA machte aber deutlich, dass eine Bewerbung von zwei Ländern zusammen nicht akzeptiert würde. Tunesien zog seinen Teil der Bewerbung zurück. Für Libyen war damit der Weg frei. Leider führten die politischen Verwicklungen Libyens mit Israel im Nachhinein ebenfalls zum Ausscheiden. Zwar hieß es offiziell, dass einige Anforderungen der FIFA nicht erfüllt werden könnten, der wahre Grund war aber ein Einreiseverbot für die Spieler Israels, sollten sich diese für die WM qualifizieren. Ein derartiges Verhalten konnte und wollte die FIFA nicht zulassen.

Mauerfall und Ende der Apartheid als Ausrichtungsgründe?

Am Ende blieben Marokko und Ägypten und das bereits im Vorfeld als Favorit gehandelte Südafrika als Bewerber übrig. Gründe dafür liegen unter anderem auch in der parallelen Betrachtungsweise der politischen Entwicklungen in Deutschland und Südafrika. Während in Deutschland der Fall der Mauer für eine Einigkeit des Volkes sorgte, so steht das Ende der Apartheid in Südafrika dieser Entwicklung gleich. Nunmehr möchte man sich als vereinte Nation präsentieren. Was liegt in diesem Falle näher als die Ausrichtung der WM 2010? Weiterhin wurde die Bewerbung Südafrikas von Nelson Mandela unterstützt. Das hatte gleichfalls einen entscheidenden Einfluss bei der Wahl von Südafrika

Stellt sich nur noch die Frage: Was ist mit Ägypten, diesem Land, was Touristen aus der ganzen Welt- und besonders aus Europa und den USA – Jahr für Jahr seine Grenzen öffnet und weiterhin in der Weltpolitik als gemäßigter islamischer Staat gilt? Außerdem ist Ägypten in Sachen Fußball nicht unerfahren. Im September wird die U20-WM hier stattfinden, Ägypten selbst ist mit einer recht erfolgreichen Nationalmannschaft vertreten. Die Verkehrssituation in Ägypten ist ferner um einiges besser als in Südafrika, von Kairo einmal abgesehen.

Vitamin B auch bei der Bewerbung nötig

Ohne Beziehungen geht nichts. Das bewies sich einmal mehr bei der Abstimmung für die WM 2010. Gute Kontakte zu Spanien und weitverknüpfte Traditionen mit Frankreich brachte Marokko als Vorteil mit. Beide Länder standen Marokko mit großer Fürsprache zur Seite, als es um die Auswahl der Ausrichter für die WM 2010 ging. Südafrika wusste den einstigen Konkurrenten bei der Abstimmung 2006 für die WM hinter sich. Deutschland und gleichzeitig der damalige Kanzler Gerhard Schröder mit seinem Zitat ”Die WM gehört nach Südafrika” gab seine Stimme für Südafrika. Damit hatte man eines der bedeutendsten Länder in der Welt des Fußballs hinter sich. Die Ägypter gingen in Sachen Prominenz auf ihrer Seite leer aus. Sie fanden keinen geeigneten Fürsprecher, dessen Wort etwas bedeutet hätte. Damit war Ägypten aus dem Rennen, obwohl die Bewerbung allen Anforderungen entsprach. Ein Stein des Anstoßes bei Ägypten war weiterhin die Sicherheit im Land. In den letzten Jahren wurden Touristen immer wieder Opfer von Überfällen und Entführungen. Allerdings handelt es sich im Vergleich zu Südafrika bei Ägypten um ein sicheres Land. Ägypten kann zudem auf ein gut ausgebautes Sicherheitssystem verweisen. Eine schlagkräftige Armee und die Polizei sorgen in Ägypten für Ruhe. Dabei ist jedes Mittel recht. In Südafrika sieht es mit dem Militär leider nicht so überzeugend aus.

Im Endeffekt muss man wohl sagen, dass Ägypten nicht an den Voraussetzungen scheiterte, sondern einfach an der mangelnden Unterstützung von Menschen, deren Wort etwas bedeutet. Wer eine Reihe an gewichtigen Fürsprechern gewinnen konnte, sieht man am Wahlergebnis, welches wie folgt aussah: Südafrika erhielt 14 Stimmen, Marokko 10 und Ägypten 0. Nach dieser Niederlage kommt für Ägypten keine weitere Bewerbung in Betracht, solange keine Unterstützung gefunden ist. Die Bewerbungsfristen für die WM 2018 und die WM 2022 sind bereits abgelaufen. Zwar war Ägypten im Gespräch, jedoch ging keine Bewerbung ein. Damit steht vorerst fest: Wird nach Südafrika jemals wieder ein afrikanisches Land zur Austragung einer WM gewählt, dann ist das in naher Zukunft keinesfalls Ägypten. Die Sphinx und die Pyramiden von Gizeh werden zumindest in den nächsten knapp 15 Jahren keine Kulisse für die Fußball-WM abgeben.