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Der Ungar an sich

Gepostet am 19. Okt 2009 in Aktuelles, Europa

Der Ungar an sich ist ein Europäer, wie die anderen auf diesem Kontinent lebenden Menschen auch. Viele wohnen in großen Städten mit lärmenden Verkehr, Hektik, Stress und auch Annehmlichkeiten, die es in jeder europäischen Stadt gibt.

Gott beschütze die Ungarn

Wie in jedem Land der EU hat sich natürlich auch der Ungar bestimmte Eigenheiten – zum Glück – erhalten. Eigenheiten, die besonders der Ausländer am Magyaren schätzt und liebt. Noch heutzutage kommen jährlich Tausende Urlauber in den Sommermonaten ins Ungarland, und das nicht nur wegen des schönen Wetters.

Der Ungar ist ein Zeitgenosse, der sich, wenn die Nationalhymne erklingt noch von seinem Platz erhebt und die Hand auf sein Herz legt. Fast jeder im Land kennt auch den Text der Hymne und singt voller Stolz: „Isten ald meg a magyart… – Gott segne die Ungarn…“. Bewundernswert dieser echte, ehrliche Nationalstolz!

Maiskolben und Schnaps aus Ungarn

Maiskolben und Schnaps aus Ungarn

Ein „Gespritzter“

Wer Glück hat und den echten Ungarn in seiner Stadt erlebt, ist angenehm überrascht. Nach der Arbeit sind die Familie und die Freunde besonders wichtig. Man kann stundenlang in einem Hinterhof, dessen einzelne Wohnungen mit durchgehenden Balkonen verbunden sind, zusammen sitzen. Zwischen blühendem Oleander und dem verführerischem Duft des Mittagessens genießen die Männer die warme Jahreszeit. Sie sitzen auf Stühlen oder einfachen „Hockedlis“ (Hockern), es wird erzählt und geschwatzt. Manchmal stören ungeduldige Ehefrauen und kreischende Kinder das Beisammensein, aber meist gelingt es, das wieder Ruhe einzieht. Man trinkt noch einen „Fröccs“, einen Gespritzten, und die Welt ist wieder in Ordnung.

Schön wenn ein Tourist zufällig vorbei kommt, man gibt sich viel Mühe ihm alles verständlich zu machen, aber die ungarische Sprache ist eben schwer für den Ankömmling. Nach ein paar Fröccs`s versteht man sich schon besser, man weiß woher der Gast kommt und man ändert in aller Freundschaft seinen Namen ins ungarische um. Aus Franz wird ein Ferenc, aus Stefan wird „Pista“ und Hans-Ullrich wird einfach zu „Jancsi“.

Man lacht viel und auch der Tourist ist erstaunt soviel Alkohol zu vertragen. Gegen Abend sitzt man immer noch, bis „Juliska neni“ (Tante Julia) noch zu Tisch bittet. Gäbe es das in Deutschland? Wohl kaum.

Ein Lob der Höflichkeit

Vielleicht fällt es dem Fremden auf: An der Busstation herrscht Gedränge, aber bei weitem nicht so verrückt wie in Deutschland. Man steigt geordnet ein, die alte Dame bekommt ihren Platz, weil der junge Student mit der verwegenen Mütze aufsteht und ihr selbstverständlich den Platz überlässt. Das junge Paar im Bus schaut sich verliebt an, als sie aussteigen müssen, springt der Mann hinaus und reicht seine Hand der Freundin, um sie sicher heraus zu begleiten.

Wow – das habe ich in Deutschland noch nicht gesehen, oder war ich immer zur falschen Zeit am falschen Ort?

Tokajer, Palinka und unicum (Kräuterschnaps)

Tokajer, Palinka und unicum (Kräuterschnaps)

Ja, ja – der Wein und der Palinka

Wein zu trinken gehört einfach dazu! Besonders in den ländlichen Gegenden Ungarns, dort wo der Wein meist nur noch für den eigenen Bedarf hergestellt wird, trinkt man täglich- ein wenig. Nach dem Essen, bei Freunden, am Abend, wenn Besuch kommt usw. Gelegenheiten gibt es genug.

In sommerlicher Hitze ist man natürlich durstig und 2 bis 3 Gläser Wein würden einen schon merklich den Kopf brummen lassen. Deshalb kam man auf die Idee mit dem Fröccs.
Man gebe einfach Sodawasser zum Wein, im Verhältnis 5 zu 1 und schon kann man ziemliche Mengen trinken. Man hat immer noch den Weingeschmack im Mund und kann trotzdem ganz normal mit der Ehefrau sprechen, ohne dass sie gleich einen Tobsuchtsanfall bekommt. Das Verhältnis Wein zu Wasser lässt sich natürlich zu Gunsten des Weins ändern.

Den Palinka, Pflaumenschnaps oder Aprikosenschnaps, sollte man auf keinen Fall mit Wasser mischen. Er schmeckt so gut, dass auch Julischka, Mariska und wie sie alle heißen, gern ein paar Gläschen in sich hinein kippen. Dann kommt das richtige ungarische Temperament zum Vorschein und wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann wird richtig Csardas getanzt. Natürlich mit vielen Drehungen, Fußstampfen, Juchzen und lauter Fröhlichkeit. Jaj- das ist Ungarn!

Köstlicher Palatschinken

Er schmeckt herrlich und die ausländischen Touristen mögen ihn. Neulinge allerdings bekommen große Augen, wollten sie doch ein großes Stück von dem Schinken mit nach Hause nehmen und nun sehen sie, das Palatschinken gar kein Schinken ist.

In Wirklichkeit ist von Palacsinta die Rede, eine Art Eierkuchen oder Crepes. Zusammengerollt und gefüllt mit Quark oder Marmelade, ist er ein Leckerbissen für den kleinen Hunger. Auf diese hauchdünnen Gebilde wird Puderzucker gesiebt. Jede ungarische Hausfrau hat schon unzählige Palacsinta zur Freude ihrer Kinder gebacken. Lecker, lecker!

Fotos: K. Sebök