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Meine Ungarnreise – keine Puszta, kein Wein, aber Gurken

Gepostet am 3. Aug 2009 in Aktuelles, Europa

Ich halte die Gurke in der Hand und erinnere mich. Gurke – auf ungarisch: uborka. Vor ein paar Wochen habe ich endlich mal große Gurkenfelder gesehen. Nicht im Spreewald, im Osten Deutschlands, sondern in Ungarn. Dort wo selten ein Tourist hinkommt, wo das ungarische Leben noch urtümlich und voller Gastfreundschaft ist.

Keine Puszta, kein Wein, aber Gurken

Gurken (Uborka) aus Ungarn (Foto: Werg, Fotolia.com)

Gurken (Uborka) aus Ungarn (Foto: Werg, Fotolia.com)

Wir sind auf Einladung von Ferenc bacsi (Onkel Ferenc) im Nordosten Ungarns unterwegs. Abseits der Hauptstraße, von einer einfachen Landstraße, die von Miskolc nach Kosice in die Slowakei führt, gelangen wir in ein unscheinbares Seitental. Kleine Dörfer reihen sich aneinander, dazwischen Felder, Felder, Felder. Im Hintergrund sind jede Menge Weinberge zu erkennen. Die Sonne brennt heiß, unsere Klimaanlage im Auto ist ausgefallen und ich wünsche mir sehnlich ein kühles Getränk und einen schattigen Platz. Wie kann man das nur aushalten. Wir sehen die Leute arbeiten, im eigenen Garten oder im Feld, langsam aber stetig gehen sie ihrer Beschäftigung nach.

Das Leben verläuft geruhsam. Aber dann- kaum sind wir bei Ferenc angekommen, bricht das ungarische Temperament durch.

Küsse unterm Walnussbaum

Jaj-Csokolom, (Küss die Hand) begrüßt er uns nach alter ungarisch-österreichischer Sitte.
Er umarmt uns herzlich und drückt uns links und rechts einen Kuss auf die Wangen. In Windeseile hat seine Frau Terezia kühle Getränke gebracht und auf den wackligen kleinen Holztisch gestellt. Unter einem großen Walnussbaum, dessen dichte Krone herrliche Kühle hervorbringt, nehmen wir Platz.

Nach Stunden, die mit Essen, Trinken und Erzählen wie im Nu vorbei gegangen sind, hat die Hitze nachgelassen. Jetzt bin ich bereit, der Frau von Onkel Ferenc zu folgen. Der Palinka (Pflaumenschnaps) hat mich mutig gemacht und fröhlich trete ich mit Terezia aus dem Schatten und folge ihr zu dem nicht weit entfernten Feld. Dort bleiben wir stehen. Das Gurkenfeld ist für meine Verhältnisse ziemlich groß und ich ahne, was das Ernten für eine Menge Arbeit bedeutet. Aber ich glaube noch mehr beeindruckt bin ich von den Blumen, die überall blühen, am Straßenrand, am Zaun, in den Vorgärten, in Töpfen und Kübeln.

Überwältigt von diesem Blütenmeer, denke ich etwas verschämt an meine Blumen auf dem heimischen Balkon. Oh Gott, die sind schon lange vertrocknet.

Grüne Rundungen

In einiger Entfernung sehe ich auf dem Feld etwas Rundliches aus dem ganzen grünen Blättergewirr hervorlugen. Was ist das? Ist mein Blick getrübt durch die paar Gläschen Palinka?
Terezia lacht und ruft immer „dinnye, dinnye“, dann winkt sie und ich folge ihr, bis ich die Dinger erkenne. Große grüne Wassermelonen.

Es ist für mich ein seltsamer Anblick, der mich richtig entzückt und ich muss laut lachen. (Sicher ist das nur der Alkohol in meinem Blut.) Ich kann nicht umhin die Dinger zu zählen, freue mich über jede grüne Melonenrundung, die ich zwischen den Blättern entdecke. Irgendwann gebe ich es auf, es sind zu viele und die Hitze ist doch noch ziemlich unerträglich. Wir gehen zurück unter den Walnussbaum. Terezia um das Essen zuzubereiten, ich um die Gemächlichkeit des Dorflebens zu genießen.
Das Knarren des Ziehbrunnens, das Bellen der Dorfhunde und die fremden ungarischen Worte lassen mich an eine andere Welt denken, ohne Hast, Verantwortung und Stress.

Und Terezia bringt schnell noch„dinnye“ auf einem großen Teller. Kühl, süß und saftig!